MacDuff, John R. - Der Bogen in den Wolken - 3ter Tag. - Der sichere Hort

Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.

Jedermann wird sein als Einer, der vor dem Winde bewahrt ist, und wie Einer, der vor dem Platzregen verborgen ist; wie die Wasserbäche am dürren Ort, wie der Schatten eines großen Felsen im trocknen Lande.“
Jes. 32, 2.

Wer mag es sein, der Jeden vor dem Sturme bewahren und im Platzregen bedecken will? Wer mag es sein, der uns tränken will mit frischem Wasser in der Dürre und erquicken mit kühlendem Schatten in der heißen Wüste? Kennst du ihn nicht, meine Seele? Es ist kein anderer als Jesus Christus!

Wann und wo aber hat Er sich seinem Volke als Schirm und Hort offenbart? Hat Er's um nur Eins zu nennen nicht schon getan zu den Tagen Elias im Winde und Erdbeben? Aber im glänzenden Sonnenschein der Welt, unter unbewölktem Himmel, im lachenden Glück, da fragt man nicht nach Ihm. Anders wird's, wenn die Wolken sich zusammenziehen, wenn die Sonne am Firmament sich verhüllt und wenn man erkennt, dass es mit allen Zufluchtsstätten der Welt nichts ist - dann, ja, dann steigt ein Flehen empor: mein Herz ist in Angst; du wollest mich führen auf einen hohen Felsen! Ein Erdbeben erdröhnt, ein Sturm braust, eine Feuersbrunst wütet, und - eine bange Stimme zittert empor aus des Menschen Brust!

O, bange, gläubige Seele! fasse Mut, denn siehe, bereit ist für dich ein sicherer Hort und ein starker, unerschütterlicher Turm vor deinen Feinden! Mag die Welt auch ihren Hort haben, er kann doch nicht bestehen am Tage der Anfechtung. Der Wind fährt darüber hin und bricht ihn zusammen! Wie anders ist's mit dem Schirm, der dich decket: je lauter die Stürme brüllen, je heftiger sie toben, um o lieber wird er dir; und je tiefer die Spalten dieses Felsens sind, umso sicherer fühlest du dich darinnen.

Wenn der Sturmwind tobt und wenn du durch dürre Wüsten pilgern musst, so birg dich in deinen Felsen und erquicke dich, mein Herz, an dem Worte, das Fleisch worden - siehe, du hast einen Bruder, der auf dem Throne sitzt, einen Gefreundeten, der da lebt für und für einen, der weiß, was für ein Gemächte du bist, und, der verherrlicht nach seiner Menschheit, die Tiefen deiner Leiden wie kein anderer, ermessen kann.

Kommt ein Freund zu dir in Trübsal, der nie einen Verlust erlitten, nie eine Not geschmeckt hat: so kann derselbe dir deinen Schmerz unmöglich nachfühlen. Kommt dagegen ein anderer, welcher selbst einmal über das Andere im Schmelzofen der Trübsal gesteckt, so ergreift's ihm das Herz, wie dein eigenes: er kann's empfinden, kann mit dir fühlen bis in die Tiefe seiner Seele hinein. Und siehe, so ist's mit Jesus! Als Mensch ist Er durch die Schule der Leiden hindurchgegangen von Anfang bis zu Ende. Was hat Er nicht Alles darin erfahren! Er selber hat den Sturmwind kennen gelernt und gefühlt, vor dem Er dich schützen will. Zwar ist Er ein Fels, doch auch ein Mensch, der da erretten und bewahren, aber auch Mitleiden haben. kann. Immanuel, Gott mit uns! Er ist, wie der Bogen am Firmament, der mit seinen beiden Seiten auf der Erde ruht, während seine Spitze sich in den Wolken befindet oder wie die Eiche, die das schwächste Vöglein unter ihre Äste lockt, während sie selber mit dem Sturme kämpft.

O, trauernde Seele! setze dich unter den Schatten deines Freundes und birg dich in seine verwundete Seite. Die Hand, welche dich schlug, führt auch die Versuchung hinaus, dass sie ein gutes Ende für dich gewinne, und Der, welcher den Sturm erregte, ist auch der Hort, dass du vor ihm wohl bewahrt werdest. Ziehen sich aber im weiteren Verlauf deiner Pilgerreise dunkle Wolken um dich her, o! dann müsse dieser glänzende Bogen des Trostes dein mattes Auge gerichtet halten auf das Wort: Er musste allerdings seinen Brüdern gleich werden denn darinnen Er gelitten hat und versucht ist, kann Er helfen denen, die versucht werden.

Und wenn es kommt, dass ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.